Zum Genießen

Das Positive im schönen Unsinn ist der Sinn. Der Reiz der auf den Kopf gestellten Welt liegt in der beruhigenden Gewißheit, dass die Welt de facto eben nicht auf dem Kopf steht. (James Krüss)

Frösche küssen

Dieses verdrehte Märchen gefällt uns so gut, dass wir fast die volle Punktzahl gegeben hätten.

Das können wir leider nicht. Warum, lesen Sie weiter unten.
Aber trotzdem soll dieses Buch vom Frösche küssen seinen Platz in unserem Regal haben, weil wir die Idee zu dieser Geschichte so gut finden. In dieser Geschichte wird das altbekannte Märchen vom Froschkönig nicht nur auf den Kopf gestellt, indem der Autor mal eben die Geschlechterrollen vertauscht. So ganz nebenbei und mit leichter Hand stellt Andrus Kivirähk frecherweise auch die Moral von der Uneigennützigkeit als Glücksgarantie in Frage, deretwegen ja das Original vom Froschkönig so gerne erzählt wird. Und er entlarvt  auf diese Weise auch männliche Karrierestrategien: Fröschin küssen, Prinzessin bekommen, König werden! Hier folgen Hase, Wolf und Fuchs allein ihrem Verlangen nach Nahrung, Reichtum und Macht, wenn sie alle Bedenken überwinden und sich mit gestülpten Lippen dem See nähern. Und die offensichtlich paarungsbereiten Froschmädchen wiederum folgen ganz offen ihrem Verlangen nach Unterhaltung und Triebbefriedigung und so wird am Ende alles gut. Aber keine Angst, es handelt sich bei diesem Buch nicht um ein feministisches Manifest und es ist garantiert jugendfrei.

Es ist in seiner fast schnoddrigen Erzählweise wunderbar flüssig zu lesen und Hase, Wolf und Fuchs werden mit jeweils einem einzigen Satz auf den Punkt charakterisiert. Das ist wundervoll trockener Humor, wie wir ihn mögen.
Aber dennoch müssen sich Vorleser auf kritische Fragen von Kinderseite einstellen, zumindest auf schwer zu beantwortende Fragen. Denn gleich zu Beginn der Geschichte stößt man auf eklatante Widersprüche zwischen Text und Bild. Kinder werden die bei der Lektüre sofort entdecken und berechtigterweise protestieren. Da behauptet der Text, das Flugzeug des Weihnachtsmanns habe ein kleines Loch, aus dem die Geschenke herausfallen während das Bild eindeutig beweist, das Flugzeug ist heil. Es ist der Sack mit den Geschenken, der seine Fracht da über die Landschaft verteilt.
Uns ist solche Unachtsamkeit nur schwer verständlich. Da können wir nicht mehr Trüffeln vergeben. Wir bedauern das. Denn insgesamt ist das Buch ja mit großer Sorgfalt gemacht und was Witz und Ironie angeht, sind die Illustrationen von Anne Pikkov ganz nah am Text, den wir hier ausdrücklich noch einmal loben wollen.
Und wir wollen niemanden davon abbringen, dieses sehr lustige Buch zu kaufen. Die eine Trüffel hat es allein wegen der pfiffigen Idee allemal verdient.

Herr Sauermann sucht seine Zähne

Dies ist ein pädagogisch äußerst wertvolles Kinderbuch… oder vielleicht doch nicht!
Es geht ums Ordnungmachen. Wobei sich die Frage aufdrängt: ist Ordnung denn überhaupt etwas, das man machen kann? Oder ist das nicht eher etwas, das ohnehin existiert und das man nur verstehen muss? Heißt es nicht, alles müsse seine Ordnung haben? Betonung liegt auf seine! Herr Sauermann jedenfalls macht nicht Ordnung, sondern Ordnungen. Er ordnet seine Sachen – seine sehr vielen Sachen – zum Beispiel nach Farben, nach Anfangsbuchstaben, nach Funktion, nach Form (irgendetwas Langes) oder nach Eigenschaft (sehr schwere Sachen). Alles fein säuberlich in Kartons verpackt und beschriftet. Und so hat alles seine(!) Ordnung. Wie es sich gehört.
Nur seine Zähne, die findet Herr Sauermann auf diese Weise nicht. Zum Glück erinnert seine Schwester ihn daran, doch einfach im Zahnschrank nachzusehen und siehe da… dort findet er neben allen anderen Zahndingen wie etwa der Bluetooth-Freisprechanlage, einer Säge, einem Zahnrad und zwei sehr alten Mammutzähnen auch seine eigenen Zähne. Womit bewiesen wäre: wer Ordnung hält, der kann etwas erzählen.
Beim Blättern in diesem etwas sehr großformatigen aber saukomischen Bilderbuch – oder besser gesagt, beim Wühlen in Alfred Sauermanns Kartons – entdeckt man die erstaunlichsten Gegenstände und stolpert über wahrhaft absonderliche Zuordnungen und Bezeichnungen. Zumindest der an konventionelle Ordnungen gewöhnte Erwachsene tut das. Ruby und Ada, denen dieses Buch gewidmet ist, haben damit wahrscheinlich weniger Probleme. Wenn man unter der Kategorie Familienporträts eine Türklingel findet, wirft das zwar die Frage auf, ob sie da denn hingehört. Aber nach kurzem, ernsthaften Philososphieren wird die Antwort sicher ein eindeutiges »Ja« sein und selbstverständlich kann eine Taschenlampe auch als Spinnenfinder bezeichnet werden. Doch, doch! Das alles folgt einer unwiderlegbaren, verblüffenden Logik. Eben nur nicht der gängigen.

Deshalb gehört dieses Buch von Jon und Tucker Nichols unbedingt in unser Regal! Aber wir vergeben nur zwei Trüffeln. Einmal, weil uns die Beschriftungen der abgebildeten Gegenstände in diesem gestalterisch sonst so anspruchsvollen Buch typografisch ziemlich nachlässig erscheinen und dann, weil an manchen Stellen bei der Übersetzung aus dem Amerikanischen unter dem Zwang zum Reim riesige Widersprüche zwischen Bild und Text entstehen: »Peas with cheese« ins Deutsche übersetzt reimt sich eben beim allerbesten Willen nicht. Und weil im vorliegenden Fall das Bild den Text diktiert, hilft »Mayonnaise mit Käse« nicht aus dem Dilemma. Hätten wir das Buch lektoriert, hätten wir zugunsten stimmiger Aussagen die Übersetzerin Kati Hertzsch von dieser unlösbaren Aufgabe befreit. Trotzdem! Dies ist eine eindeutige Kaufempfehlung für Herrn Sauermann. Erwähnenswert ist dabei auch der Schutzumschlag, der sich als beidseitig nutzbares Poster entpuppt und als tägliche Aufforderung zum Ordnungmachen sicherlich gute Dienste leistet!!!

Wazn Teez

Nur 86 Wörter haben wir gezählt in dem Text zu diesem wunderbaren, wundersamen Buch.

Aber man täusche sich nicht. Das bedeutet keineswegs, dass man damit schnell durch ist. Ganz im Gegenteil: so simpel die Geschichte ist, die da erzählt wird, so rätselhaft bleibt dieses Bilderbuch beim schnellen Durchblättern. Die erwähnten 86 Wörter wollen nämlich alle erst entschlüsselt werden und keines davon findet sich in welchem Wörterbuch auch immer. Eine echte Aufgabe an die Vorleser und Vorleserinnen. Oder weiß vielleicht jemand auf Anhieb was mit »Schroxxler« gemeint sein kann? Oder mit »Forzung« oder »an Plumpse“? Wir verraten es nicht – mit gutem Bedacht. Denn je mehr Zeit Leser oder Vorleser und sein Publikum mit diesem »Sprachabenteuer« verbringen, umso größer ist das Vergnügen. (Sprachabenteuer – so nennt es ein leider sehr hässlicher Aufkleber auf dem Einband.) Und die Kinder? Die haben das Vergnügen sowieso. Schließlich ist das ein Bilderbuch. Und was für eins! So reduziert in Form und Farbgebung die Bilder von Carson Ellis, die gleichzeitig auch die Autorin ist, daherkommen – mehr Bild, mehr Erzählung im Bild geht nicht. Und wie gesagt, es geht um eine ebenso einfache, wie erstaunliche Geschichte:

Es ist Frühjahr, die Insekten erwachen, aus der Erde sprießt ein grünes Etwas.
Es wird Sommer, das Etwas wächst und blüht.
Es wird Herbst, das Etwas verblüht.
Es wird Winter, das Etwas ist verschwunden.
Und dann wird es wieder Frühjahr und … »Wazn teez?«, staunt der frühe Käfer.

Jetzt haben wir doch was verraten – aus lauter Begeisterung und vergeben hiermit drei Trüffeln! Am liebsten gäben wir noch eine vierte an die Übersetzer Jess Jochimsen und Anja Schöne. Die beiden haben angesichts der Aufgabe, aus einer nicht existenten amerikanischen Sprache in eine nicht existente deutsche Sprache zu übersetzen, einen eigenen Dialekt erfunden, der es wert ist, dass ihm bald auch eine Region zugeordnet wird.
Zum Schluss noch ein Appell an die Vorleser: Fragen Sie nicht nach Erklärungen. Lassen Sie die Insekten sprechen. Glauben Sie uns, Sie werden sie verstehen! An Freudenschuh!

Grododo

»Grododo« kommt von »gros dodo« ist lautmalerisch und französisch und könnte übersetzt werden in »Bubumachen«. Das ist auch lautmalerisch, deutsch und Kindersprache.

Der Verlag hat das in der deutschen Ausgabe vergnüglicherweise vermieden und den Originaltitel für deutsche Leser als Rätsel stehen lassen. Vergnüglicherweise, denn wie wir schon einmal festgestellt haben, »o« ist einfach komisch und dreifach noch komischer. Und weil das Wort so schön lautmalerisch ist und uns auf der ersten Bildseite dieses Buches aus einem Grammophon entgegenquäkt, enträtseln wir es hiermit als »Geräusch« oder besser »Gorosch«.
Besagtes Grammophon gehört neben Schneebesen, Kaktus, Rollschuhen und Glühbirne zum Hausrat eines Hasen namens Cäsar. Hasen als Protagonisten sind in Kinderbüchern ja zunächst nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist aber, dass wir das Buch als trüffelwürdig erachten. Bücher, deren Hauptfiguren Hasen sind, fallen in den meisten Fällen bei uns durch, denn sie funktionieren fast alle nach dem Schema: Hase = niedlich = kindgerecht.
An diese Formel glauben wir nicht und in diesem Buch mit dem merkwürdigen Titel ist sie auch sehr überzeugend widerlegt. Dieser Hase ist alles andere als niedlich. Er erinnert wohl eher an den schrulligen alten Herrn, der ein paar Häuser weiter allein in seiner Wohnung lebt, der selten auf der Straße zu sehen ist, noch seltener mit jemandem spricht und nie Besuch erhält. Er verlässt das Haus immer um die gleiche Zeit. Das Licht in seinem Wohnzimmer geht immer um die gleiche Zeit aus. Und nicht zu vergessen: er ist äußerst geräuschempfindlich.
Kein Wort hiervon steht in diesem Buch und doch drängt sich durch die Ausstattung von Herrn Caesars Haushalt (siehe das Grammophon) und die Beschreibung seiner Zubettgehrituale solche Assoziation auf. Und so wundert es auch nicht, dass Herr Cäsar, wie wir es von einem grummeligen älteren Herrn erwarten, energisch um »Ruuuuheeee!!!!« bittet. Aber nachdem er mehrfach in seiner Nachtruhe gestört wurde, ist das ja durchaus zu verzeihen.

Hier bekommt das Wort »lautmalerisch« übrigens eine neue Bedeutung. Kris Di Giacomo, die Illustratorin des Buches und Raumaustatterin von Herrn Cäsars Haus, malt tatsächlich sehr laute Worte in ihre dramatischen Bilder. Manchmal für unseren Geschmack ein bisschen zu laut. Aber womöglich sind wir selbst auch zu goroschempfindlich. Ansonsten gefällt uns der Einfallsreichtum, mit dem sie Michaël Escoffiers Geschichte auf jeder Seite ein Stückchen weitererzählt, nämlich außerordentlich gut. Eine Geschichte, die schließlich doch nicht so gradlinig verläuft, wie man annehmen möchte. Obwohl er so garnicht plüschig ist, hat dieser Hase doch sehr liebenswürdige Seiten – menschliche nämlich. Dass ihm bei der mehrfachen Wiederholung des Zubettgehrituals die seltsamsten Fehler unterlaufen ist nicht verwunderlich; aber wer würde vermuten, dass der grummelige Eigenbrötler Cäsar seinen Teddy heiß und innig liebt und fürchtet, unterm Bett könnten Monster lauern?

In diesem Buch ist das Absonderliche so alltäglich wie das Alltägliche absonderlich ist. Da ist man am Ende noch lange nicht am Ende. Mit einem Mal Durchblättern ist das nicht getan.

Zwei dicke Trüffeln!

Prinz Bummelletzter

So viel vorweg: Das ist ein Buch nach unserem Geschmack.

Es ist voller Humor, kümmert sich nicht um irgendeine Botschaft und trägt doch eine ganz elementare in sich: Es lebe die Langsamkeit! Der Text erzählt das so frisch und frei, als kämen der Autorin die Worte gerade jetzt in den Sinn – jetzt, wo wir sie lesen. Und weil hier Text und Illustration aus derselben Hand stammen, gilt auch folgendes: Sybille Hein zeichnet, aquarelliert, kollagiert so frisch und frei, als flössen ihr die Situationen und Gestalten gerade jetzt aus der Hand – jetzt, wo wir sie betrachten. Das ist allergrößtes Vergnügen.
Aber warum das Buch in erster Linie bei uns im Regal steht, ist das, wovon es handelt: vom unschätzbaren Wert von Langsamkeit und genüsslicher Bummelei. Wie schön! Gibt es ein besseres Sujet für ein Kinderbuch? So erobert der Prinz auf diese Weise sogar die Prinzessin. Und das Schönste: Sybille Hein behandelt es im Text ebenso wie im Bild ganz ohne philosophische oder gar pädagogische Ambition aus lauter Lust am Fabulieren, Formulieren und Übertreiben. Nicht umsonst haben wir auf Denkpulver eine Abteilung mit Büchern von der Zeit und wir freuen uns, dass wir diese Abteilung jetzt erweitern können.

Aufgrund dieser Lobeshymne müssten jetzt eigentlich drei Trüffeln folgen … müßten! Aber bei diesem Buch tut es uns fast selber leid, dass wir so pingelig sind. Es ist künstlerisch großartig, technisch/handwerklich leider nicht. Da sind immer wieder Füße oder Krönchen der wunderbar kuriosen Figuren, die sich gerne ganz am Seitenrand des Buches aufhalten, dem Beschnitt zum Opfer gefallen. Ganz sicher wird das den lesenden Kindern das Vergnügen nicht schmälern, aber: »Das fällt doch keinem auf!» gilt nicht als Argument. Wir hatten zwei Exemplare vorliegen und leider fand sich dieser Fehler bei beiden. Besonders ein so schön konzipiertes Buch hat mehr Sorgfalt in der Herstellung verdient.
Deshalb gibt’s nur zwei Trüffeln. Aber die mit Überzeugung.

Hieronymus (Bilderbuch ohne Worte)

Ein Abenteuer in der Welt des Hieronymus Bosch

Ein Abenteuer – aber Hieronymus Bosch? Ist das denn was für Kinder? Aber sicher, wenn man es so macht wie Thé Tjong Khing !
Der Moritzverlag hat sich hier etwas getraut, wobei der niederländische Verlag Uitgeverji Leopold, so vermuten wir, wahrscheinlich mit weniger Vorbehalten zu kämpfen hatte. Wir begrüßen das – erste Trüffel!
Auf großformatigen Doppelseiten breitet der Illustrator hier eine grausig schöne Welt aus, die in ihrer Farbenkraft der von Hieronymus Bosch fast gleichkommt und dennoch durch die lockere Strichführung leicht und zugänglich bleibt. Ein Kunststück –  und dafür gibt’s die zweite Trüffel.
Aber uns stellt sich eine ganz andere Frage. Nämlich: ist es denn wirklich nur ein Abenteuer,  was es dieser Fantasiewelt zu erleben gibt? Ist das, was sich uns hier eröffnet, nicht eher ein Traum? Einer von denen, wo Angst, Glück, Todesgefahr, Heldenmut, Siegesgewissheit, Mutlosigkeit, einfach alles, was das Leben so ausmacht, eine “Handlung” vorantreibt. Thé Tjong Khing hat ganz ohne Worte entlang von einzelnen, bekannten Bildmotiven aus dem Boschkosmos eine durchgehende Geschichte gewebt, die solcher Traumdramaturgie folgt. Ein Kinderalptraum: stürzen, verfolgt werden, getäuscht und gefangen werden, verlieren und wiedererlangen, was einem lieb ist. Und ein Kinderheldentraum: das Böse überlisten, alle Gefangenen befreien und am Ende selbst gerettet werden. Und das alles in Jetztzeit, beim Blättern. Wir sehen das Unglück kommen, es lauert hinter dem Baum und wir wollen den Jungen warnen: “Die Hexe! Die Hexe! Nicht weitergehen, Jeroen !”– so heißt der Junge im niederländischen Original. Aber natürlich passiert es doch, wir blättern weiter und uns fährt der Schreck in die Glieder, als wären wir nicht Betrachter, sondern Mitträumer.
Jede einzelne dieser Seiten bietet genug Erzählstoff für ein ganzes Buch und ist doch “nur” eine Momentaufnahme in einer tausendfältigen Erzählung. Da verschränken sich die Ereignisse, künden sich immer neue an und es bleibt dem Leser garnichts anderes übrig, als immer wieder vor- und zurück zu blättern. Wir haben das ausgiebig getan, haben Motive, Ereignisse und Gestalten zurückverfolgt, wiederentdeckt oder neuentdeckt und weiterverfolgt. Wir haben immer neue Verflechtungen, Querverbindungen, Zusammenhänge entdeckt und ganz sicher finden wir beim nächsten Mal ein weiteres Detail, eine weitere Wendung in dem Traum, den der Protagonist da träumt. So bunt und aufregend, lustig und gruselig zugleich, wie soll man das alles am nächsten Morgen erzählen?
Unser Exemplar des Buches trägt infolgedessen schon deutliche Gebrauchsspuren und eigentlich gibt es bei uns für derlei gerne ein paar Pingelpunkte. Aber wir betrachten das in diesem Falle als Qualitätsmerkmal – ein inhaltliches! Und deshalb verleihen wir an dieser Stelle die dreieinhalbte Trüffel, die macht unsere Pingelei wieder wett.

Lift

Ein mehrstöckiges Wohnhaus, seine Bewohner, ein Lift.

Das sind die sparsamen Elemente aus denen dieses Buch besteht und aus denen Kätlin Vainola und nicht zuletzt die Illustratorin Ulla Saar jede Menge Erzählstoff entwickeln. Wer erzählt? Lift, natürlich! Denn der erfährt Dinge, von denen alle seine Benutzer glauben und hoffen, dass niemand sie erfährt. Hinter den geschlossenen Lifttüren fühlen sie sich alle unbeobachtet. Aber Lift bekommt alles mit und bietet uns so vergnügliche Einblicke, dass man selbst gerne einmal seine Aufgabe in einem solchen Panoptikum Mietshaus übernehmen möchte. Eine Welt, in der man ja zwangsläufig mit den Eigenheiten seiner Mitbewohner konfrontiert ist und hin und wieder unfreiwillige Einblicke in die intimeren Winkel ihrer Existenz erhält. So z.B. den Inhalt von Frau Oktopus’ Wäscheschrank. Ihre naturgemäß sehr umfangreiche Strumpfsammlung, hängt sie auf dem Dach des Hauses übrigens neben etlichen Speisefischen zum Trocknen auf.  Hier gibt’s leider einen Pingelpunkt für die Illustratorin. Denn auf dem Dach des Hauses, so wie sie es gezeichnet hat, gibt es keinen geeigneten Platz zum Wäschetrocknen. Kinder bemerken solche bedauerlichen und vermeidbaren Fehler spätestens beim dritten Durchblättern. Aber abgesehen davon mögen wir Ulla Saars Illustrationen sehr. Sie sind voller Witz und Ironie. Sie versteckt überall kleine Ungereimtheiten und charakterisiert ihre Figuren – wohlgemerkt lauter Tiergestalten – wie eine gute Kostümbildnerin über allseits bekannte Versatzstücke der Textilindustrie. So schafft so sie verblüffende Wiedererkennungeffekte. Alle diese Typen sind dem Leser vertraut und so oder so ähnlich in jedem Haus vertreten.

Ist das eine Aufforderung zum Spott über Mitmenschen? Ja! …ähh… nein, natürlich nicht! Schließlich haben wir es hier mit Oktopus, Eichhörnchen, Giraffe, Känguruh, Igel und Taube zu tun. Verwechslungen mit lebenden Vertretern des Homo Sapiens sind rein zufällig möglich. Z.B. Herr Känguruh, die olle Sportskanone, der mit seiner überschüssigen Energie die Aufzugtechnik an ihre Grenzen bringt. Oder der schüchterne Herr Giraffe, der aufgrund seiner Körpergröße und die daraus resultierenden Komplikationen das Gefährt im wahrsten Sinne geknickt verlässt. Dieses Buch ist ein großes Vergnügen für alle Kinder, die in solch einem Haus leben, ob mit oder ohne Lift. Und  alle, die ein derartiges Biotop nur als Liftbenutzer kennen, erfahren hier, was ihnen entgeht.

Dieser Spaß ist uns zwei Trüffeln wert. Eine, weil uns diese Geschichte so gut gefällt und eine, weil das Buch so schön gemacht ist. Es riecht gut, ist gut zu blättern und das Papier ist angenehm fest und rau. Aber eben nur zwei, siehe Pingelpunkt oben.
Aber zwei Trüffeln sind allemal Grund genug, das Buch immer wieder in die Hand zu nehmen.

Wörterwuselwelten

Wörterwuselwelten von Ann Cathrin Raab,

das ist nicht nur ein Kinderbuch. Es ist eine Spielanleitung und ein Leitfaden für Erwachsene, die bereit sind, einmal mit Kinderblick spazieren zu gehen. Aber auch und gerade deshalb eine echte Herausforderung für jeden Vorleser. In diesem Wörterbilderbuch gibt es zwar auch eine ›Handlung‹. Die gilt es aber erst einmal aus dem Wörterwust herauszufiltern, der sich wie ein einziger Assoziationsstrom durch das ganze Buch zieht. Hier gibt es keine ordentlichen Zeilen und keine direkte Text/Bild-Korrespondenz. Und so sieht man sich als Leser immer wieder gezwungen, stehen zu bleiben, so als ginge man mit einem Kleinkind spazieren – hierhin, dorthin. Fühlt sich aufgefordert, zu verharren, weil etwas anderes – dies und das – die Aufmerksamkeit ablenkt und plötzlich interessanter ist als irgendein vorgefasstes Ziel. In diesem Fall sind das Wörter wie Pausenclown, Falschparker, Bermudadreieck oder, was immer das bedeuten mag: Philosophengemütlichkeit. Was fangen Kinder mit solchen Wörtern an?  Keine Ahnung – es gibt sie. Sie sind überall und Kinder begegnen ihnen täglich, denn Kinder leben in dieser von Erwachsenen gestalteten Welt. Täglich sind Kinder konfrontiert mit einem solchen ungefilterten Zusammenklang von Ein- und Ausdrücken.  Danke, Frau Raab!
»Ein Ausflug« heißt das Buch im Untertitel und damit ist nicht nur die erwähnte Handlung beschrieben. Die geht so: Viele kleine Tiere, die fuhren einmal los. Sie fuhren hierhin, dorthin, sahen dies, und sahen das. Sie aßen was, und hatten Spaß, bestanden Abenteuer und machten ein Lagerfeuer. Dann sagten sie Gute Nacht. Das ist alles. Aber das ist natürlich nicht alles. Sich dieses Wimmelbuch der ganz eigenen Art zu erlesen, ist wie ein Ausflug mit einem und in einen Kinderkopf, wenn man sich darauf einläßt zu verharren, sich zu wundern und nicht sofort zu verstehen. Denn was ist ein Trettreckerrollerroll, eine Schuhunfallhupe, eine Fliegerpuppenwagenbutterfahrt oder geht es hier um Papierfliegerpuppenwagenbutter? ODERISTDASVIELLEICHTALLESEINEINZIGESWORT? Oder möglicherweise sind das gar keine Wörter sondern alles Bilder?
Apropos! Richtige Bilder gibt es natürlich auch. Scheinbar beiläufig hingekritzelte sonderbarste Wesen, Fahrzeuge und Maschinen bevölkern diese Welt und wahrscheinlich kann Ann Cathrin Raab auch soetwas wie  Philosophengemütlichkeit bildlich darstellen. Hat sie vielleicht mit diesem Buch bereits getan. Und was das Ziel dieses Ausflugs ist, lassen sich Erwachsene am Besten von einem kindlichen Reisebegleiter erklären.
Nominiert für die nächste Quartalstrüffel!

Hirameki von Peng und HU

Mit dieser Buchempfehlung begeben wir uns auf fremdes Terrain.

Denn erstens haben wir uns dem erzählenden Kinderbuch verschrieben und zweitens ist Hirameki keins von beiden, weder erzählend im üblichen Sinn noch ausgesprochenes Kinderbuch. Es ist aber ebenso wenig ein  Erwachsenenbuch und steckt außerdem voller Erzählstoff. Deshalb steht es bei uns im Regal. Wir empfehlen es für Kinder und für Erwachsene mit und ohne Kinder.
Hirameki ist japanisch und heißt soviel wie Funken oder Inspiration. Im Untertitel nennt der Kunstmannverlag das Buch einen »genialen Klecks- und Kritzelspaß«. Solche Ankündigungen finden wir im Allgemeinen eher abschreckend aber an dieser höchstinspirierenden Kleckssammlung haben wir allergrößtes Vergnügen gefunden. Der Klappentext beschreibt es dann auch wesentlich eleganter und treffender:
Am Anfang war der Klecks
In Hirameki kulminieren zwei elementare Geistesleistungen: Sinnsuche und Selbsterkenntnis. Ein kleiner Klecks offenbart durch das hinzufügen weniger Punkte und Striche sein wahres Wesen, im völligen Einklang mit der Phantasie des Betrachters. Damit beschert uns Hirameki ein Hochgefühl unverhoffter Erhabenheit und entzückt Auge, Hand und Hirn.
Hirameki – das Glück im Kleinsten finden.
Worum geht es? Die Kleckskünstler Peng und Hu – die Recherche über die wahren Identitäten, die sich hinter diesen Pseudonymen verbergen, haben wir uns hier gespart – beschreiben es folgendermaßen:
Als ein westlicher Gesandter als Gast des Kunstministers erstmals mit Stäbchen aß, fiel ihm eine Morchel vom Mund und befleckte das Tischtuch. Der Kunstminister ließ Peng und Hu kommen und wies konsterniert auf den Fettfleck. Peng und Hu zückten ihre Stifte und versahen den Fleck mit drei krummen Strichen. »Ein dicker Hund«, erklärte Peng. »oder ein Tapir.« ergänzte Hu. »Und ich sage, es ist ein Ferkel!« rief der Kunstminister, ohne jemanden direkt anzusehen.
Weiter im Inneren des Buches verliert sich leider bei den eingestreuten lockeren Reimen öfter mal solche sprachliche Eleganz. Beispiel: »Büschel hier und Büschel dort, mal sind’s Haare mal ein Bart«. Deshalb gibt es nur zwei Trüffeln.
Dennoch raten wir zum Kauf denn schließlich finden sich in dem Buch dann auch wieder so schöne Zeilen finden wie diese: »Ohne Sinn ist alles Unsinn.« Der Satz könnte von uns sein und wir möchten ergänzen: … aber auch ohne Zweck ist längst nicht alles zwecklos.

Der Besuch

Dieses Bilderbuch steht vor allem deshalb bei uns im Regal, weil Antje Damm hier den gewohnten Rahmen der Kinderbuchillustration einmal verlässt. Wer unsere Rezension zu »Wutz, Butz und Papa Bär« von Ruth Feile gelesen hat, kennt diesen Satz. Weil solches aber so selten geschieht, wiederholen wir ihn hier gerne und genüsslich. Antje Damm gelingt es, dem Betrachter ein echtes Raumerlebnis zu bereiten. Und zwar ohne drucktechnische oder optische Tricks oder Hilfsmittel. Hier hat man ein ganz normales Bilderbuch in Händen zum ganz normalen Blättern. Nein, nicht ganz normal. Schon mit dem Buchdeckel öffnet man die dort abgebildete Tür und betritt eine Puppenstube.  Ein Papiertheater, ausgestattet mit Pappmöbeln und geheimnisvoll beleuchtet. Dramaturgisch klug fotografiert, führt die Kamera durch diese in Worten schnell erzählte Geschichte (Einsame, alte Frau erhält überraschend Besuch von einem ihr unbekannten kleinen Jungen, der ihre triste graue Welt durch seine vorbehaltlose Neugier farbig und fröhlich werden lässt und ihre Angst vertreibt). Aber dann sind da eben diese Bilder und die sind nicht schnell erzählt. Mit diesem Buch kann man sehr viel Zeit verbringen. Antje Damm schafft durch ihre Technik eine verblüffend vielschichtige Bilderzählung. Sie erzeugt eine fesselnde Illusion und macht aus dem Betrachten der Bilder ein geradezu theatralisches Ereignis.
Wir geben begeistert drei Trüffeln!

Die Katzen von Kopenhagen

Eine Bestenliste illustrierter Bücher ohne eines von Wolf Erlbruch ist keine. Und in diesem Buch kommen noch zwei weitere Meister ihres Fachs hinzu: der Autor James Joyce und der Übersetzer Harry Rowohlt. Das ist Kindern selbstverständlich egal, aber für das Ergebnis nicht unerheblich. Als hätten die drei das Buch gemeinsam konzipiert, sprechen hier Wort und Bild im gleichen Ton, spinnen verschmitzt und hintersinnig an einer Art Seemannsgarn, das so skurril und anarchistisch ist, dass man eigentlich sofort eine Schiffsreise in diese sagenhafte Stadt Kopenhagen antreten möchte, wo Polizisten den ganzen Tag im Bett verbringen (James Jocye) und Fische Fahrrad fahren (Wolf Erlbruch). Das ist mit so leichter Hand skizziert, wer fragt da nach Beweisen. Alles ist denkbar, es lebe die Fabulierkunst! Unbedingt drei Trüffeln.

So weit oben

Das Einfache ist manchmal so schwer zu beschreiben.

Aber eine Rezension für dieses Buch darf eigentlich nicht mehr Worte enthalten, als das Buch selber (208), denn das macht nicht zuletzt seine Qualität aus: simpel, direkt, intelligent, voller Situationskomik erzählt es von einer einzigen Problematik – und die steht ja schon im Titel – ohne Erklärungen, ohne Umwege. Es lebe die Kunst des Weglassens. Und das gilt auch und vor allem für die Illustrationen: soviel Platz auf den Seiten bei soviel Ereignis! Einfach – schön! Bleiben noch 166 Wörter, brauchen wir aber nicht. Volle Punktzahl!

Der Tag, an dem Herr Fritz auf Seite 23 …

… sehr nahe zum Mond flog, dort eine bemerkenswerte Entdeckung machte und erst spät abends nach Hause kam

Das ist schon sehr raffiniert, wie diese Geschichte mit sich selbst korrespondiert. So schnell kann man garnicht auf Seite 23 vordringen, wie man es gerne möchte, nachdem man den Titel des Buches gelesen hat.
Es gibt unendlich viel zu erforschen auf jeder einzelnen Seite in diesem Bilder-Erzählbuch ohne Text. Und wenn man dann auf der bewußten Seite 23 angelangt ist, hat man längst vergessen, daß man in einem Buch blättert. Einmal gestartet, verlassen wir mit Herrn Fritz in seinem Wolkengefährt bis zum Schluß die Vogel-Flugzeug-Raumschiffperspektive kein einziges Mal. Wir haben uns in diesen Bildern ganz taumelig gelesen und wollen dann auch nicht so schnell wieder landen. Dass Herr Fritz nach diesem Flug erst spät nach Hause kommt, ist mehr als verständlich. Ein echter Genuss, mindestens zwei Trüffel.

Höpftbönöff

»Was mag das Wort Höpftbönnöff bedeuten, Urgroßvater?«
»Wahrscheinlich sollte es Hauptbahnhof heißen, Boy! Aber du kannst dir wohl denken, dass Küchenschaben sich unter einem Hauptbahnhof schwerlich etwas vorstellen können. Man muss die Dinge erlebt haben, über die man spricht. Sonst sind die Wörter so leer und komisch wie deine Hose und dein Hemd da auf dem Stuhl.«
So erklärt James Krüss den ›Sinn‹ dieses Gedichts in seinem von uns heißgeliebten Buch Mein Urgroßvater und ich – sofern ein solches Gedicht überhaupt eines Sinns bedarf. Denn James Krüss frönt ja lieber dem Genuß des ›schönen Unsinns‹. (s. unsere Abteilung Gedanken auf dieser Webseite)
Aber auch ganz ohne Erklärungen:  o, besonders das mit Pünktchen drauf, ist eben einfach komisch – vor allem in der Wiederholung. Das wissen wir spätestens seit Loriots sprechendem Hund. Und der Pseudohund Gürti in dem hier ebenfalls vorgestellten Buch Hund beweist es erneut. Hier sind es halt Küchenschaben, die sich dieser Äußerungsform bedienen und damit eine ganze Zeitung füllen können…
Das libronauti-team um die Illustratorin Carollina Fabinger hat sich voller Wonne an diesem Gedicht regelrecht ausgetobt. Herausgekommen ist eine einzige Liebeserklärung an James Krüss, der wir uns gerne anschließen. Wer mehr wissen will, über das Schabendasein, den Inhalt ihres bemerkenswerten Presseorgans und des Konkurrenzblattes, der Bienenzeitung, kann das in der mitgelieferten Allgemeinen Schabenzeitung nachlesen. Voller Freude und Erstaunen haben wir festgestellt, daß auch Heinz Erhardt für dieses Blatt geschrieben hat.
Das Trüffelschwein ist glücklich und gibt volle Punktzahl.

Wenn das Licht ausgeht

Wenn man sehr, sehr müde ist, sehr sehr lange auf die Farb- und Schattenspiele an den Zimmerwänden schaut, die dort eine eigene Welt entstehen lassen, und wenn dann das Licht ausgeht aber die Bilder und die Wörter im Kopf noch wach sind, geschehn die absonderlichsten Dinge. Da treten die Abruzzen aus den Wänden. Die Abruzzen? Ja, die Abruzzen, todesmutige Helfer im Kampf gegen Nasigoreng. Kein einfacher Gegner, aber auf die Abruzzen ist Verlass. Mag er sich hinter Kilimandscharo verstecken oder auf den Mond entfliehen, die Abruzzen spüren ihn auf. Zu dumm, dass es vor der entscheidenden Schlacht schon wieder hell wird und die Abruzzen in den Wänden verschwinden. Einfacher, schöner und humorvoller als in diesem Buch kann man das Abtauchen in den Traum, in die Zwischenwelten des Bewußtseins nicht beschreiben und bebildern. Diese Geschichte kennen wir alle in der ein oder anderen Form und die Wesen hinter den Tapeten auch. Wir haben sie wohl nur vergessen. Und allen, die jetzt einwenden: »Das kann ich meinem Kind doch vor dem Schlafengehen nicht vorlesen. Da kriegt es doch Alpträume!« sei gesagt: Bücher, und vor allem die, die wir hier vorstellen, sind nicht dazu da, elterliche Zuwendung und die Auseinandersetzung mit kindlichen Ängsten zu ersetzen. Und wenn wir Erwachsenen mit der letzten Seite eines Buches auch den Dialog beenden, ist das unser Fehler, nicht der des Buches. Und das Schöne bei Büchern ist, man kann sie zu jeder Tageszeit in die Hand nehmen. Das Trüffelschwein vergibt 3 Punkte.

Sam und Dave graben ein Loch

Sam und Dave graben ein Loch und sie graben so lange »bis wir etwas ganz Besonderes finden.« Sam und Dave sind wie wir. Dieses Buch war unsere erste Quartalstrüffel! Warum? Weil es eine Geschichte erzählt, die so pur und schnörkellos ist wie ihr Titel und deshalb so wahr. Und weil die Illustrationen von Jon Klassen so voller verborgener Schätze sind wie der Weg durch den Erdball, den die beiden bei ihrem Tun durchqueren. Weil wir die Sebstverständlichkeit lieben, mit der hier das Unmögliche passiert und das Mögliche passiert wird. Darin sehen wir einen zentralen Wesenszug vom Kindsein. Eine ganze Trüffel verdient das Buch allein für die Sorgfalt mit der es gestaltet ist. Selbst das Vorsatzpapier erzählt mit. Und wir sind begeistert von der Bilddramaturgie. Wir befinden uns auf dem Weg in die Tiefe immer auf gleicher Höhe wie die Protagonisten und wissen doch stets mehr als sie – übrigens genau wie ihr Begleiter, der aber von ihnen nicht beachtet wird, er ist ja schließlich nur ein Hund. Wir erleben, wie sie eine vermeintliche Chance nach der anderen verpassen, möchten gerne eingreifen und sind verblüfft und glücklich, wenn die beiden sich am Ende doch als klüger erweisen, als wir es sind. Denn ob die Unternehmung geglückt ist oder nicht, das bestimmen sie selbst. Das ist doch Stoff für eine philosophische Diskussion. Die Frage: welchen Sinn hat es, ein Loch zu graben? Auf gehts!

Hast du meine Schwester gesehen?

Werden Trüffeln eigentlich durch lange Lagerung noch besser?

Manche zumindest erweisen sich als echte Kostbarkeit, einfach dadurch, daß sie auch beim zweiten Aufstöbern nicht an Frische verloren haben. Dieses Buch ist eine Wiederentdeckung aus unserem eigenen Archiv und es überrascht uns gerade aufs Neue mit seiner Art zu überraschen. Klappbilderbücher gibt es zu Hauf, aber hier geht das Entdeckerspiel noch einen Schritt weiter als üblich. Mit jeder aufgeklappten Halbseite ergibt sich eine weitere Wahrnehmungsebene – Versteck, Verkleidung, Camouflage! Und was für herrlich absonderliche Gestalten stecken da in noch seltsameren Kostümierungen. Und welche davon ist wohl die gesuchte Schwester? Und gegenüber all dieser Buntheit steht ein Text, der unbeirrbar einer strengen Logik folgt. Nüchtern und beinahe unbeeindruckt von all dem Aufwand arbeitet sich der Held entlang seiner Frage »Hast du meine Schwester gesehen?« bis zur erwünschten Auflösung durch dieses Rätsel. So können nur Kinder sich durch eine Wunderwelt bewegen. Aus diesem Kontrast zwischen Wort und Bildsprache entsteht ganz großes Drama und zwar durch uns, den Leser. Das Buch bietet lediglich die Bühne dafür. Nichts ist, was es scheint; alles ist, was es ist. Schade, dass der Verlag es aus dem Programm genommen hat. Aber man kann es noch bekommen.

Fünf Mäuse und eine Katz

Dieses Buch steht in unserem Regal ganz weit vorne direkt neben So weit oben. (Heißt: es gibt drei Trüffel.) Und genau wie da darf die Rezensentin nur ganz wenig Worte machen, sogar noch weniger. Denn hier erzählen die Bilder. Das ist fast schon ein Film, mit Kameraschwenks, Großaufnahmen, Auftritten aus dem Off. Und auch hier geht es um ein einziges Ereignis, das aber groß und dramatisch genug ist für ein ganzes Buch. Und hier wie dort gilt: so viel Platz auf den Seiten bei so viel Ereignis! Das fängt übrigens schon auf dem Buchumschlag an, da gibt es das wunderbar samtene Katzenfell zu fühlen. Ein ganz kleiner Pingelpunkt: das Buch ist schwer zu handhaben. Das sehr schöne dicke Papier widersetzt sich dem Blättern. Aber vielleicht ist das Erbsenzählerei, und wir zählen ja in Trüffeln.

Mitreden und
kommunizieren

Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190)