Zum Machen

Bastelanleitungen finden Sie hier nicht.
Unter dieser Rubrik zeigen wir Bücher, die zum Weiterspinnen, zum Selberdichten einladen.
»Es geht nicht darum, Fässer zu füllen, sondern Fackeln anzuzünden.« (Gerald Hüther)

Herr Sauermann sucht seine Zähne

Dies ist ein pädagogisch äußerst wertvolles Kinderbuch… oder vielleicht doch nicht!
Es geht ums Ordnungmachen. Wobei sich die Frage aufdrängt: ist Ordnung denn überhaupt etwas, das man machen kann? Oder ist das nicht eher etwas, das ohnehin existiert und das man nur verstehen muss? Heißt es nicht, alles müsse seine Ordnung haben? Betonung liegt auf seine! Herr Sauermann jedenfalls macht nicht Ordnung, sondern Ordnungen. Er ordnet seine Sachen – seine sehr vielen Sachen – zum Beispiel nach Farben, nach Anfangsbuchstaben, nach Funktion, nach Form (irgendetwas Langes) oder nach Eigenschaft (sehr schwere Sachen). Alles fein säuberlich in Kartons verpackt und beschriftet. Und so hat alles seine(!) Ordnung. Wie es sich gehört.
Nur seine Zähne, die findet Herr Sauermann auf diese Weise nicht. Zum Glück erinnert seine Schwester ihn daran, doch einfach im Zahnschrank nachzusehen und siehe da… dort findet er neben allen anderen Zahndingen wie etwa der Bluetooth-Freisprechanlage, einer Säge, einem Zahnrad und zwei sehr alten Mammutzähnen auch seine eigenen Zähne. Womit bewiesen wäre: wer Ordnung hält, der kann etwas erzählen.
Beim Blättern in diesem etwas sehr großformatigen aber saukomischen Bilderbuch – oder besser gesagt, beim Wühlen in Alfred Sauermanns Kartons – entdeckt man die erstaunlichsten Gegenstände und stolpert über wahrhaft absonderliche Zuordnungen und Bezeichnungen. Zumindest der an konventionelle Ordnungen gewöhnte Erwachsene tut das. Ruby und Ada, denen dieses Buch gewidmet ist, haben damit wahrscheinlich weniger Probleme. Wenn man unter der Kategorie Familienporträts eine Türklingel findet, wirft das zwar die Frage auf, ob sie da denn hingehört. Aber nach kurzem, ernsthaften Philososphieren wird die Antwort sicher ein eindeutiges »Ja« sein und selbstverständlich kann eine Taschenlampe auch als Spinnenfinder bezeichnet werden. Doch, doch! Das alles folgt einer unwiderlegbaren, verblüffenden Logik. Eben nur nicht der gängigen.

Deshalb gehört dieses Buch von Jon und Tucker Nichols unbedingt in unser Regal! Aber wir vergeben nur zwei Trüffeln. Einmal, weil uns die Beschriftungen der abgebildeten Gegenstände in diesem gestalterisch sonst so anspruchsvollen Buch typografisch ziemlich nachlässig erscheinen und dann, weil an manchen Stellen bei der Übersetzung aus dem Amerikanischen unter dem Zwang zum Reim riesige Widersprüche zwischen Bild und Text entstehen: »Peas with cheese« ins Deutsche übersetzt reimt sich eben beim allerbesten Willen nicht. Und weil im vorliegenden Fall das Bild den Text diktiert, hilft »Mayonnaise mit Käse« nicht aus dem Dilemma. Hätten wir das Buch lektoriert, hätten wir zugunsten stimmiger Aussagen die Übersetzerin Kati Hertzsch von dieser unlösbaren Aufgabe befreit. Trotzdem! Dies ist eine eindeutige Kaufempfehlung für Herrn Sauermann. Erwähnenswert ist dabei auch der Schutzumschlag, der sich als beidseitig nutzbares Poster entpuppt und als tägliche Aufforderung zum Ordnungmachen sicherlich gute Dienste leistet!!!

Wörterwuselwelten

Wörterwuselwelten von Ann Cathrin Raab,

das ist nicht nur ein Kinderbuch. Es ist eine Spielanleitung und ein Leitfaden für Erwachsene, die bereit sind, einmal mit Kinderblick spazieren zu gehen. Aber auch und gerade deshalb eine echte Herausforderung für jeden Vorleser. In diesem Wörterbilderbuch gibt es zwar auch eine ›Handlung‹. Die gilt es aber erst einmal aus dem Wörterwust herauszufiltern, der sich wie ein einziger Assoziationsstrom durch das ganze Buch zieht. Hier gibt es keine ordentlichen Zeilen und keine direkte Text/Bild-Korrespondenz. Und so sieht man sich als Leser immer wieder gezwungen, stehen zu bleiben, so als ginge man mit einem Kleinkind spazieren – hierhin, dorthin. Fühlt sich aufgefordert, zu verharren, weil etwas anderes – dies und das – die Aufmerksamkeit ablenkt und plötzlich interessanter ist als irgendein vorgefasstes Ziel. In diesem Fall sind das Wörter wie Pausenclown, Falschparker, Bermudadreieck oder, was immer das bedeuten mag: Philosophengemütlichkeit. Was fangen Kinder mit solchen Wörtern an?  Keine Ahnung – es gibt sie. Sie sind überall und Kinder begegnen ihnen täglich, denn Kinder leben in dieser von Erwachsenen gestalteten Welt. Täglich sind Kinder konfrontiert mit einem solchen ungefilterten Zusammenklang von Ein- und Ausdrücken.  Danke, Frau Raab!
»Ein Ausflug« heißt das Buch im Untertitel und damit ist nicht nur die erwähnte Handlung beschrieben. Die geht so: Viele kleine Tiere, die fuhren einmal los. Sie fuhren hierhin, dorthin, sahen dies, und sahen das. Sie aßen was, und hatten Spaß, bestanden Abenteuer und machten ein Lagerfeuer. Dann sagten sie Gute Nacht. Das ist alles. Aber das ist natürlich nicht alles. Sich dieses Wimmelbuch der ganz eigenen Art zu erlesen, ist wie ein Ausflug mit einem und in einen Kinderkopf, wenn man sich darauf einläßt zu verharren, sich zu wundern und nicht sofort zu verstehen. Denn was ist ein Trettreckerrollerroll, eine Schuhunfallhupe, eine Fliegerpuppenwagenbutterfahrt oder geht es hier um Papierfliegerpuppenwagenbutter? ODERISTDASVIELLEICHTALLESEINEINZIGESWORT? Oder möglicherweise sind das gar keine Wörter sondern alles Bilder?
Apropos! Richtige Bilder gibt es natürlich auch. Scheinbar beiläufig hingekritzelte sonderbarste Wesen, Fahrzeuge und Maschinen bevölkern diese Welt und wahrscheinlich kann Ann Cathrin Raab auch soetwas wie  Philosophengemütlichkeit bildlich darstellen. Hat sie vielleicht mit diesem Buch bereits getan. Und was das Ziel dieses Ausflugs ist, lassen sich Erwachsene am Besten von einem kindlichen Reisebegleiter erklären.
Nominiert für die nächste Quartalstrüffel!

Hirameki von Peng und HU

Mit dieser Buchempfehlung begeben wir uns auf fremdes Terrain.

Denn erstens haben wir uns dem erzählenden Kinderbuch verschrieben und zweitens ist Hirameki keins von beiden, weder erzählend im üblichen Sinn noch ausgesprochenes Kinderbuch. Es ist aber ebenso wenig ein  Erwachsenenbuch und steckt außerdem voller Erzählstoff. Deshalb steht es bei uns im Regal. Wir empfehlen es für Kinder und für Erwachsene mit und ohne Kinder.
Hirameki ist japanisch und heißt soviel wie Funken oder Inspiration. Im Untertitel nennt der Kunstmannverlag das Buch einen »genialen Klecks- und Kritzelspaß«. Solche Ankündigungen finden wir im Allgemeinen eher abschreckend aber an dieser höchstinspirierenden Kleckssammlung haben wir allergrößtes Vergnügen gefunden. Der Klappentext beschreibt es dann auch wesentlich eleganter und treffender:
Am Anfang war der Klecks
In Hirameki kulminieren zwei elementare Geistesleistungen: Sinnsuche und Selbsterkenntnis. Ein kleiner Klecks offenbart durch das hinzufügen weniger Punkte und Striche sein wahres Wesen, im völligen Einklang mit der Phantasie des Betrachters. Damit beschert uns Hirameki ein Hochgefühl unverhoffter Erhabenheit und entzückt Auge, Hand und Hirn.
Hirameki – das Glück im Kleinsten finden.
Worum geht es? Die Kleckskünstler Peng und Hu – die Recherche über die wahren Identitäten, die sich hinter diesen Pseudonymen verbergen, haben wir uns hier gespart – beschreiben es folgendermaßen:
Als ein westlicher Gesandter als Gast des Kunstministers erstmals mit Stäbchen aß, fiel ihm eine Morchel vom Mund und befleckte das Tischtuch. Der Kunstminister ließ Peng und Hu kommen und wies konsterniert auf den Fettfleck. Peng und Hu zückten ihre Stifte und versahen den Fleck mit drei krummen Strichen. »Ein dicker Hund«, erklärte Peng. »oder ein Tapir.« ergänzte Hu. »Und ich sage, es ist ein Ferkel!« rief der Kunstminister, ohne jemanden direkt anzusehen.
Weiter im Inneren des Buches verliert sich leider bei den eingestreuten lockeren Reimen öfter mal solche sprachliche Eleganz. Beispiel: »Büschel hier und Büschel dort, mal sind’s Haare mal ein Bart«. Deshalb gibt es nur zwei Trüffeln.
Dennoch raten wir zum Kauf denn schließlich finden sich in dem Buch dann auch wieder so schöne Zeilen finden wie diese: »Ohne Sinn ist alles Unsinn.« Der Satz könnte von uns sein und wir möchten ergänzen: … aber auch ohne Zweck ist längst nicht alles zwecklos.

Der Wechstabenverbuchsler

Dieses Buch hätten wir als Kinder auswendig gekonnt.

Und mit Sicherheit hätte es nächtliche »Jetzt aber mal Ruhe!« – Ermahnungen von Elternseite hervorgerufen. Das ist wirklich (trüffel-) saukomisch. Und bei allem vordergründigen Spaß, der Wechstabenverbuchsler ist kein simples Witzebuch. Auch wenn die Illustrationen beim oberflächlichen Betrachten zuerst diesen Eindruck erwecken. Die Erzählung nimmt eine schöne, menschliche Wendung und steckt zusätzlich zum großartigen Wortwitz voller Situationskomik, was sich in den beinahe theatralisch anmutenden Zeichnungen fortsetzt. Karsten Teichs Figuren zeigen bei aller Überzeichnung eine mitreißend lebendige Körpersprache und Mimik, man erkennt jede kleinste Gemütsbewegung. Und wie schön, die in der Danksagung erwähnten Inspiratoren treten höchstpersönlich auf – bis auf Christian Morgenstern, den haben wir nicht gefunden. Oder hat er sich etwa den Bart abgenommen?? Volle Punktzahl von uns (dabei mögen wir diesen Zeichenstil eigentlich gar nicht – eigentlich!).

Kamfu mir helfen

Eine einfache Geschichte, humorvoll erzählt ohne aufgezwungenen Tiefsinn und ganz ohne Zeigefinger. Die Verse laufen wunderbar rund, rhythmisch sauber – das ist keine Selbstverständlichkeit – und die elefantifen Fprachfwierigkeiten animieren geradepfu pfum felberfpolpern. (Sollen wir helfen?) Dieses Buch ist eine Trüffel. Genau sowas suchen wir! Aber… so skurril und rasant die Illustrationen daherkommen und so sehr uns die Kombination von Gezeichnetem und Fotografiertem gefällt, da hätten wir uns doch mehr Sorgfalt in der Auswahl gewünscht. Die fotografierten Elemente wirken wie achtlos ausgewählt und platziert, sie fügen sich weder in die gezeichneten Bilder ein, noch bilden sie einen klar erkennbaren Kontrast dazu, woraus sich ja viel bildnerischer Erzählstoff ergeben könnte. Verantwortlich für den Punktabzug aber ist vor allem ein fast unverzeihlicher Fehler in der Illustration: die tollen, sehr komischen Turnschuhe, der Fachmann nennt sie Chucks, die die hilfsbereite Fliege bei ihrem Katapultflug verliert, befinden sich bei ihrer Landung auf der folgenden Buchseite erstaunlicherweise wieder an ihren Füßen. Bitte, liebe Buchgestalter und Lektoren achtet auf sowas.
Ja, wir sind pingelig! Aber trotzdem – schönes Buch.

Hast du meine Schwester gesehen?

Werden Trüffeln eigentlich durch lange Lagerung noch besser?

Manche zumindest erweisen sich als echte Kostbarkeit, einfach dadurch, daß sie auch beim zweiten Aufstöbern nicht an Frische verloren haben. Dieses Buch ist eine Wiederentdeckung aus unserem eigenen Archiv und es überrascht uns gerade aufs Neue mit seiner Art zu überraschen. Klappbilderbücher gibt es zu Hauf, aber hier geht das Entdeckerspiel noch einen Schritt weiter als üblich. Mit jeder aufgeklappten Halbseite ergibt sich eine weitere Wahrnehmungsebene – Versteck, Verkleidung, Camouflage! Und was für herrlich absonderliche Gestalten stecken da in noch seltsameren Kostümierungen. Und welche davon ist wohl die gesuchte Schwester? Und gegenüber all dieser Buntheit steht ein Text, der unbeirrbar einer strengen Logik folgt. Nüchtern und beinahe unbeeindruckt von all dem Aufwand arbeitet sich der Held entlang seiner Frage »Hast du meine Schwester gesehen?« bis zur erwünschten Auflösung durch dieses Rätsel. So können nur Kinder sich durch eine Wunderwelt bewegen. Aus diesem Kontrast zwischen Wort und Bildsprache entsteht ganz großes Drama und zwar durch uns, den Leser. Das Buch bietet lediglich die Bühne dafür. Nichts ist, was es scheint; alles ist, was es ist. Schade, dass der Verlag es aus dem Programm genommen hat. Aber man kann es noch bekommen.

Mitreden und
kommunizieren

Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190)