Von der Zeit

»Wann hält Zürich an diesem Zug?«
Albert Einsteins Erklärung zur Relativitätstheorie (anekdotisch)

Wazn Teez

Nur 86 Wörter haben wir gezählt in dem Text zu diesem wunderbaren, wundersamen Buch.

Aber man täusche sich nicht. Das bedeutet keineswegs, dass man damit schnell durch ist. Ganz im Gegenteil: so simpel die Geschichte ist, die da erzählt wird, so rätselhaft bleibt dieses Bilderbuch beim schnellen Durchblättern. Die erwähnten 86 Wörter wollen nämlich alle erst entschlüsselt werden und keines davon findet sich in welchem Wörterbuch auch immer. Eine echte Aufgabe an die Vorleser und Vorleserinnen. Oder weiß vielleicht jemand auf Anhieb was mit »Schroxxler« gemeint sein kann? Oder mit »Forzung« oder »an Plumpse“? Wir verraten es nicht – mit gutem Bedacht. Denn je mehr Zeit Leser oder Vorleser und sein Publikum mit diesem »Sprachabenteuer« verbringen, umso größer ist das Vergnügen. (Sprachabenteuer – so nennt es ein leider sehr hässlicher Aufkleber auf dem Einband.) Und die Kinder? Die haben das Vergnügen sowieso. Schließlich ist das ein Bilderbuch. Und was für eins! So reduziert in Form und Farbgebung die Bilder von Carson Ellis, die gleichzeitig auch die Autorin ist, daherkommen – mehr Bild, mehr Erzählung im Bild geht nicht. Und wie gesagt, es geht um eine ebenso einfache, wie erstaunliche Geschichte:

Es ist Frühjahr, die Insekten erwachen, aus der Erde sprießt ein grünes Etwas.
Es wird Sommer, das Etwas wächst und blüht.
Es wird Herbst, das Etwas verblüht.
Es wird Winter, das Etwas ist verschwunden.
Und dann wird es wieder Frühjahr und … »Wazn teez?«, staunt der frühe Käfer.

Jetzt haben wir doch was verraten – aus lauter Begeisterung und vergeben hiermit drei Trüffeln! Am liebsten gäben wir noch eine vierte an die Übersetzer Jess Jochimsen und Anja Schöne. Die beiden haben angesichts der Aufgabe, aus einer nicht existenten amerikanischen Sprache in eine nicht existente deutsche Sprache zu übersetzen, einen eigenen Dialekt erfunden, der es wert ist, dass ihm bald auch eine Region zugeordnet wird.
Zum Schluss noch ein Appell an die Vorleser: Fragen Sie nicht nach Erklärungen. Lassen Sie die Insekten sprechen. Glauben Sie uns, Sie werden sie verstehen! An Freudenschuh!

Überall und nirgends

Es fällt uns ja immer schwer, Altersangaben zu machen zu den Büchern, die wir hier vorstellen.

Denn vordergründig geht es bei solcher Einordnung zwar um die Frage, was können, sollen, dürfen wir Erwachsene den Kindern zumuten – und das, obwohl wir ihnen tagtäglich diese ganze Welt zumuten. Genau betrachtet dient sie aber doch vor allem dazu, uns – eben jene Erwachsene – vor der Zumutung unbeantwortbarer Fragen zu schützen. Man lese dazu gerne den Beitrag von Prof. Jens Thiele, Bilderbuchforscher, auf dieser Seite: »Gedanken«.
Wegen solcher Gedanken steht dieses Buch bei uns im Regal ab 0 und wir richten hier gleich noch ein weiteres ein, das Regal bis unendlich. Paradox, denn in diesem grandios illustrierten Gedichtband geht es um eine einzige, ultimative Zumutung für jedes Alter: den Tod. Und das Buch steht auf unserer Liste, weil es sich dieser Zumutung so unbefangen nähert. Weil es so humorvoll und furchtlos auch Tabus verletzt: Über Tote nichts Schlechtes? Wieso eigentlich! Da ist zum Beispiel Tante Ann. Sie sitzt vor der Urne ihres verstorbenen Mannes und seinem grimmig dreinblickenden Konterfei. Sieh einer an, sagt sie, mein toter Jan. Sie isst ein Butterbrot und trinkt (wahrscheinlich etwas zu viel) und sie ist erleichtert. Denn sie weiß, ihr Haustyrann steht im Regal. Für immer!

Diese Texte nehmen niemals eine wissende Haltung ein, wollen nirgendwo überzeugen, nicht einmal trösten. Und doch kann es trösten und helfen, darin zu lesen. Das Buch ist eine Annäherung an das Unbegreifliche. Ans Sterben, Totsein, Trauern, ans Fürchten, Zweifeln, Vermissen. Es erzählt aber auch vom Überleben, vom Erben und  – vom Feiern. So viel zum Inhalt.

Und die Form? Wie schon gesagt, wir sind begeistert von den ganzflächigen Illustrationen. Sylvia Weve arbeitet mit den unterschiedlichsten Techniken – Scherenschnitt oder Strichzeichnung stehen neben Aquarell oder Frottage und doch hat das ganze perfekt durchkomponierte Buch einen sehr charakteristischen einheitlichen Stil.

Und dann haben sich die Gestalter noch einen besonderen Kniff ausgedacht: Immer wieder stößt man beim Umblättern auf halbe oder Viertelseiten. So ergeben sich beim Umblättern überraschende, verblüffende Zusammenhänge, Quer- und Rückbezüge der Texte und Bilder zueinander. Und noch etwas: dieses Buch nimmt man wirklich gerne zur Hand. Schönes, griffiges Papier, ein ungewöhnliches, aber angenehmes Format und es riecht gut! Das macht Freude, bevor man eine Zeile gelesen hat. Wie empfehlen aber dringend, es doch zu tun. Zum Glück gibt es drei (!) Lesebändchen. Und von uns für jedes eine Trüffel.

Prinz Bummelletzter

So viel vorweg: Das ist ein Buch nach unserem Geschmack.

Es ist voller Humor, kümmert sich nicht um irgendeine Botschaft und trägt doch eine ganz elementare in sich: Es lebe die Langsamkeit! Der Text erzählt das so frisch und frei, als kämen der Autorin die Worte gerade jetzt in den Sinn – jetzt, wo wir sie lesen. Und weil hier Text und Illustration aus derselben Hand stammen, gilt auch folgendes: Sybille Hein zeichnet, aquarelliert, kollagiert so frisch und frei, als flössen ihr die Situationen und Gestalten gerade jetzt aus der Hand – jetzt, wo wir sie betrachten. Das ist allergrößtes Vergnügen.
Aber warum das Buch in erster Linie bei uns im Regal steht, ist das, wovon es handelt: vom unschätzbaren Wert von Langsamkeit und genüsslicher Bummelei. Wie schön! Gibt es ein besseres Sujet für ein Kinderbuch? So erobert der Prinz auf diese Weise sogar die Prinzessin. Und das Schönste: Sybille Hein behandelt es im Text ebenso wie im Bild ganz ohne philosophische oder gar pädagogische Ambition aus lauter Lust am Fabulieren, Formulieren und Übertreiben. Nicht umsonst haben wir auf Denkpulver eine Abteilung mit Büchern von der Zeit und wir freuen uns, dass wir diese Abteilung jetzt erweitern können.

Aufgrund dieser Lobeshymne müssten jetzt eigentlich drei Trüffeln folgen … müßten! Aber bei diesem Buch tut es uns fast selber leid, dass wir so pingelig sind. Es ist künstlerisch großartig, technisch/handwerklich leider nicht. Da sind immer wieder Füße oder Krönchen der wunderbar kuriosen Figuren, die sich gerne ganz am Seitenrand des Buches aufhalten, dem Beschnitt zum Opfer gefallen. Ganz sicher wird das den lesenden Kindern das Vergnügen nicht schmälern, aber: »Das fällt doch keinem auf!» gilt nicht als Argument. Wir hatten zwei Exemplare vorliegen und leider fand sich dieser Fehler bei beiden. Besonders ein so schön konzipiertes Buch hat mehr Sorgfalt in der Herstellung verdient.
Deshalb gibt’s nur zwei Trüffeln. Aber die mit Überzeugung.

Lisa, Paul und Frau Fisch

In welche Schublade passt wohl diese rätselhafte Geschichte?
Alltag und Familie? Ja! Kindliche Gefühlswelt? Auch ja!
Märchen und Phantasie? Auch ja!

Also der Reihe nach: Kategorie Familienalltag: »Lisa ist ein Einzelkind. Sie hat es schön mit ihrer Mama und ihrem Papa. Plötzlich aber erlebt sie höchst seltsame Dinge und Mama erwartet doch noch ein Kind.« So heißt es im Klappentext. Passt, oder?
Kindliche Gefühlswelt: »Lisa kommt von der Schule nach Hause. Mama ist nicht da. Seltsam, denkt Lisa. Mama ist sonst immer da.« So beginnt das Buch. Passt also auch.
Oder doch Märchen und Phantasie? »Sie (Lisa und Frau Fisch) schnorcheln nicht nur, sie tauchen. Das geht ganz mühelos, denn nun sind sie beide Meerjungfrauen. Anstelle der Beine haben sie einen Fischschwanz.« So heißt es im letzten Kapitel kurz vor der erwarteten Auflösung des Rätsels. Passt also ebenfalls.
Aber eine solche Auflösung verweigert uns die Autorin. Sie lässt all die Merkwürdigkeiten, die Lisa erlebt, einfach so stehen. Und die Merkwürdigkeiten sind zahlreich in dieser Geschichte. Zum Beispiel diese Frau Fisch (im richtigen Leben Lisas Lehrerin und in Lisas Wahrheit außerdem Ärztin, Schutzengel oder eben Meerjungfrau) sie ist immer dann zur Stelle, wenn Lisa sich mit einem Problem allein sieht. Das könnte man tiefenpsychologisch deuten. Der Eingangssatz des Klappentextes legt das nahe.
Aber der Text innerhalb der Buchdeckel kümmert sich nicht um Literaturgattungen. Im nächsten Moment bewegt sich die Geschichte auf eine ganz andere, phantastische Ebene und verweigert sich damit allen Erklärungsversuchen. Lisa erlebt auf ihren Ausflügen mit und ohne Frau Fisch Dinge, die sich eigentlich erst viel später in der Geschichte ereignen. Sind das Phantasien, ist es Wunschdenken? Brigitte Schärs Text verweigert sich selbstbewußt auch solchen psychologischen Deutungen. Nennen wir es also vorweggenommene Wahrheiten.
Die Autorin erzählt von Bild zu Bild ohne Rückversicherung ob Kindern das zuzumuten sei und deshalb gibt es am (guten!) Ende eben auch keine Auflösung. Das Rätsel bleibt und die Frage nach der passenden Schublade auch. Das gefällt uns. So sehr, dass wir fast zwei Trüffeln verliehen hätten, denn das ist mutig und wichtig.
Aber wir vergeben Trüffeln nicht nur für eine Geschichte, einen Text, wir vergeben sie für Bücher.  Und da finden wir es sehr schade, dass der Illustrator das Angebot der Autorin, sich zwischen den Realitäten zu bewegen, nicht annimmt. Jens Rassmus’ Tuschzeichnungen zeigen stimmige, lebendige Charaktere und Situationen aber sie erzählen so streng am Plot entlang, dass sie keine andere Ebene und folglich auch kein Rätsel zulassen. Damit ist in unseren Augen nicht nur eine Chance vertan. Es entzaubert das Leseerlebnis. Aber trotzdem! Eine Trüffel hat das Buch allemal verdient.

Der Tag, an dem Herr Fritz auf Seite 23 …

… sehr nahe zum Mond flog, dort eine bemerkenswerte Entdeckung machte und erst spät abends nach Hause kam

Das ist schon sehr raffiniert, wie diese Geschichte mit sich selbst korrespondiert. So schnell kann man garnicht auf Seite 23 vordringen, wie man es gerne möchte, nachdem man den Titel des Buches gelesen hat.
Es gibt unendlich viel zu erforschen auf jeder einzelnen Seite in diesem Bilder-Erzählbuch ohne Text. Und wenn man dann auf der bewußten Seite 23 angelangt ist, hat man längst vergessen, daß man in einem Buch blättert. Einmal gestartet, verlassen wir mit Herrn Fritz in seinem Wolkengefährt bis zum Schluß die Vogel-Flugzeug-Raumschiffperspektive kein einziges Mal. Wir haben uns in diesen Bildern ganz taumelig gelesen und wollen dann auch nicht so schnell wieder landen. Dass Herr Fritz nach diesem Flug erst spät nach Hause kommt, ist mehr als verständlich. Ein echter Genuss, mindestens zwei Trüffel.

Wenn Du einen Wal sehen willst

In diesem Buch kann man einem Kind beim Schauen zuschauen.

Das ist geradezu beglückend und – erhellend. Denn von diesem Kind können wir außerdem das Schauen neu lernen. Wir legen wie der Junge, der uns hier Geduld und Versenkung, Muße und Selbstvergessenheit lehrt, den Kopf ein wenig schief und lassen uns von der Illustratorin Erin E. Stead von Imagination zu Imagination in die Wirklichkeit der Vorstellung führen. Es gibt ihn tatsächlich, den Wal, man kann ihm sogar begegnen. Man muß nur lange genug aus dem Fenster schauen. Diese Bilder – nein, das ganze Buch – sind Ausblick und Einblick in Einem. Bis auf die letzte Seite. Da ist der Zauber plötzlich zu Ende. Da rummst der Wal (und der Betrachter) gegen ein rotes Vorsatzpapier. Das ist sehr schade und unnötig und gibt deshalb einen Pingelpunkt. Aber man kann ja einfach nochmal zurückblättern und die Reise von vorn beginnen. Wir haben das gemacht, mehrmals und dann zwei Trüffeln vergeben.

Anton hat Zeit. Aber keine Ahnung warum

Diese Rezension zu lesen dauert ungefähr so lange, wie 46 mal auf die Uhr zu schauen.
Oh diese große, uralte Frage: was ist Zeit? Gibt es nach Michael Ende und Momo dazu überhaupt noch etwas zu sagen? Ja, gibt es! Und vor allem kann man es in einer vollkommen anderen Sprache tun. Meike Haberstock bietet uns nämlich in ihrem Buch auf lustvolle Weise einen Einblick in das Zeitempfinden eines Kindes ohne es relativierend einer erwachsenen Sicht gegenüber zu stellen. Da stellen sich manche Fragen auf einmal ganz anders und deshalb ist diese Lektüre so genußvoll. Wir erleben den Alltag von Anton und seiner ewig gestressten Mutter konsequent in Antons Zeitmaß, vorgegeben durch die originellen Kapitelüberschriften oder besser gesagt Gebrauchsanweisungen, und folgen somit unwillkürlich seiner unwiderlegbaren Logik.
So entsteht auf ganz unmittelbare Weise eine Komik, die Meike Haberstock dann leider in ihren Illustrationen  manchmal zu erzwingen versucht. (erster Pingelpunkt). Da gibt es etliche verblüffende Einfälle, wie die sprechende Telefonschnur, die unserer Gastleserin besonders gut gefallen hat, aber die stets übertrieben aufgerissenen Augen in den Gesichtern wirken sehr stereotyp. Übertreibung und Überzeichnung finden wir zwar als Stilmittel durchaus legitim aber hier fehlt uns einfach Bewegung oder Bewegtheit in den Physiognomien.
Der zweite Pingelpunkt geht wieder an die Autorin: wir haben den Eindruck, sie hat beim Schreiben ihrer eigenen Idee nicht ganz getraut. Als hätte sie sich gezwungen gefühlt, diese treffliche Geschichte mit immer noch einem und noch einem Kapitel beweisen zu müssen. So tritt die Erzählung ungefähr ab der Mitte auffällig auf der Stelle und läßt bei unserer Gastleserin den Eindruck entstehen, alle Erwachsenen in diesem Buch sind immer, grundsätzlich und von vornherein gestresst, was auf die Dauer unglaubwürdig ist.
Aber weil uns allen dreien die Idee und der Schreibstil von Meike Haberstock so gut gefällt, empfehlen wir das Buch gerne. Humor zählt schließlich auch.

Die Wörter fliegen

Dieses Buch ist eine erfreuliche Ausnahme unter den derzeit in Vielzahl erscheinenden Büchern zum Thema Demenz.

Eigentlich mögen wir solche »Problemliteratur« nicht besonders. Aber hier geht einmal eine Autorin mit dem Thema um, ohne daß das Mit-dem-Thema-umgehen zum Inhalt des Buches wird. Jutta Treiber erzählt ganz ohne Betroffenheitsgeste. Das finden wir sehr erfrischend, vor allem weil es so ungewöhnlich ist. Sie führt mit großer Selbstverständlichkeit ganz unaufgeregt, sehr langsam und behutsam in die Vergessenswelt. Und der Illustratorin Anna Prieler gelingt mit ihren transparenten Bildern das Kunststück, dieses oft beschriebene allmähliche Verschwinden der Begriffswelt auf verblüffende Weise fassbar zu machen. Omas Haus, die Gegenstände, das Interieur, Omas gesamte Umgebung sind nur noch silhouettenhaft vorhanden und vermischen sich mit durchscheinenden Erinnerungsbildern aus Omas Gedankenwelt. Sie wirken fast wie Allegorien. Lediglich die handelnden Figuren Pia und ihre Oma sind körperlich real dargestellt, bewegen sich durch diese entschwindende Realität. Das ist wirklich sehr gelungen. Trotzdem geben wir nur 2 Punkte, weil Pia und Oma uns ein wenig steif und unlebendig entgegenschauen. Sie wirken uncharmant und sind uns nicht wirklich sympathisch, wo sie es doch eigentlich sein sollten. Wir sind halt auch subjektiv.

Mitreden und
kommunizieren

Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190)