ab 3 Jahren

Es gibt schließlich Kindertanten, welche meinen, man müsse dem Kind alles und jedes kindgemäß vorsetzen. Sosehr dies bei der Methodik des Rechenunterricht zutreffen mag, so unsinnig ist es dann, wenn man das Kind mit Literatur bekannt machen will. (James Krüss)

Elepfund und Hinkuin

Das fehlte noch! Ein ABC-Buch. Noch dazu ein Tier-ABC. Gibt es die nicht schon in Überzahl? Doch, so ist es. Aber trotzdem, dieses fehlte.

Denn anders als die anderen dieses Genres versucht es an keiner Stelle Altbekanntes über die hinreichend durchbuchstabierte Tierwelt zu verkünden. Vielmehr liefert es schier unglaubliche Erkenntnisse über bisher gänzlich unbekannte Geschöpfe wie Aua-Hahn, Brauen- und Colabär bis hin zur Ziehge. (Warnung: der gerade etwas abgeebbte Pädagogenstreit übers Schreiben nach Gehör könnte sich hierdurch neu entzünden!) Dennoch ist dieses Buch durchaus lehrreich. Hier erfährt man anhand von vierundzwanzig glänzend gereimten Kalauern wahrhaft Außerordentliches. Ein Buch – lehrreich und doch vergnüglich für Zoologen und Germanisten gleichermaßen und für Kinder sowieso. Die unterscheiden ohnehin nicht so penibel zwischen den Disziplinen. Zum Kuhgeln.
Auf diesem Gebiet – dem Gebiet des gemeinschaftlichen Gelächters unter Kindern mit Erwachsenen fehlt noch ganz viel auf dem Kinderbuchmarkt. Noch immer unterschätzt er den Wert des »schönen Unsinns«, wie James Krüss es genannt hat. Oder sind es die Buchkäufer, die das tun???
Umso wichtiger, dass wir dieses Buch in unsere Liste aufnehmen und mit zwei Trüffeln bedenken. Und zwar obwohl, oder weil (?) es inzwischen im Programm des Ravensburger Verlags fehlt und nur noch antiquarisch, bzw. auf den Ramschtischen in den Kaufhäusern zu finden ist. Aber ein echtes Trüffelschwein ist sich auch für sowas nicht zu fein!
»Nur« zwei Trüffeln verleihen wir, weil uns die durchaus humorvollen Illustrationen von Cornelia Haas einfach ein bißchen zu altbacken sind für ein Buch, das 2012 erschienen ist. Vor allem aber – das geht natürlich nicht auf das Konto von Frau Haas – weil am Ende des Buches völlig unnötigerweise eine Auflösung oder besser »Richtigstellung« zu den aufgeführten Tieren angehängt ist. Das ist ein Jammer und außerdem falsch. Ein dauerquasselnder Redenwurm ist eben ein Redenwurm und kein Regenwurm!
Also zwei Trüffeln, zwei davon für den Autor Hans Christian Schmidt und seine vierundzwanzig Reime. Zugegeben – vierundzwanzig stimmt nicht ganz! Es sind dreiundzwanzig aber einer zählt doppelt. An der Zuordnung von Tieren zu den Buchstaben  X und Y darf man durchaus scheitern. Hans Christian Schmidt löst das Problem indem er sie in einen einzigen Vers packt. Und er tut das mit größter Eleganz und dem Gleichmut eines Elefanz.
Tschuldigung, wir lieben Kalauer!

Frösche küssen

Dieses verdrehte Märchen gefällt uns so gut, dass wir fast die volle Punktzahl gegeben hätten.

Das können wir leider nicht. Warum, lesen Sie weiter unten.
Aber trotzdem soll dieses Buch vom Frösche küssen seinen Platz in unserem Regal haben, weil wir die Idee zu dieser Geschichte so gut finden. In dieser Geschichte wird das altbekannte Märchen vom Froschkönig nicht nur auf den Kopf gestellt, indem der Autor mal eben die Geschlechterrollen vertauscht. So ganz nebenbei und mit leichter Hand stellt Andrus Kivirähk frecherweise auch die Moral von der Uneigennützigkeit als Glücksgarantie in Frage, deretwegen ja das Original vom Froschkönig so gerne erzählt wird. Und er entlarvt  auf diese Weise auch männliche Karrierestrategien: Fröschin küssen, Prinzessin bekommen, König werden! Hier folgen Hase, Wolf und Fuchs allein ihrem Verlangen nach Nahrung, Reichtum und Macht, wenn sie alle Bedenken überwinden und sich mit gestülpten Lippen dem See nähern. Und die offensichtlich paarungsbereiten Froschmädchen wiederum folgen ganz offen ihrem Verlangen nach Unterhaltung und Triebbefriedigung und so wird am Ende alles gut. Aber keine Angst, es handelt sich bei diesem Buch nicht um ein feministisches Manifest und es ist garantiert jugendfrei.

Es ist in seiner fast schnoddrigen Erzählweise wunderbar flüssig zu lesen und Hase, Wolf und Fuchs werden mit jeweils einem einzigen Satz auf den Punkt charakterisiert. Das ist wundervoll trockener Humor, wie wir ihn mögen.
Aber dennoch müssen sich Vorleser auf kritische Fragen von Kinderseite einstellen, zumindest auf schwer zu beantwortende Fragen. Denn gleich zu Beginn der Geschichte stößt man auf eklatante Widersprüche zwischen Text und Bild. Kinder werden die bei der Lektüre sofort entdecken und berechtigterweise protestieren. Da behauptet der Text, das Flugzeug des Weihnachtsmanns habe ein kleines Loch, aus dem die Geschenke herausfallen während das Bild eindeutig beweist, das Flugzeug ist heil. Es ist der Sack mit den Geschenken, der seine Fracht da über die Landschaft verteilt.
Uns ist solche Unachtsamkeit nur schwer verständlich. Da können wir nicht mehr Trüffeln vergeben. Wir bedauern das. Denn insgesamt ist das Buch ja mit großer Sorgfalt gemacht und was Witz und Ironie angeht, sind die Illustrationen von Anne Pikkov ganz nah am Text, den wir hier ausdrücklich noch einmal loben wollen.
Und wir wollen niemanden davon abbringen, dieses sehr lustige Buch zu kaufen. Die eine Trüffel hat es allein wegen der pfiffigen Idee allemal verdient.

Herr Sauermann sucht seine Zähne

Dies ist ein pädagogisch äußerst wertvolles Kinderbuch… oder vielleicht doch nicht!
Es geht ums Ordnungmachen. Wobei sich die Frage aufdrängt: ist Ordnung denn überhaupt etwas, das man machen kann? Oder ist das nicht eher etwas, das ohnehin existiert und das man nur verstehen muss? Heißt es nicht, alles müsse seine Ordnung haben? Betonung liegt auf seine! Herr Sauermann jedenfalls macht nicht Ordnung, sondern Ordnungen. Er ordnet seine Sachen – seine sehr vielen Sachen – zum Beispiel nach Farben, nach Anfangsbuchstaben, nach Funktion, nach Form (irgendetwas Langes) oder nach Eigenschaft (sehr schwere Sachen). Alles fein säuberlich in Kartons verpackt und beschriftet. Und so hat alles seine(!) Ordnung. Wie es sich gehört.
Nur seine Zähne, die findet Herr Sauermann auf diese Weise nicht. Zum Glück erinnert seine Schwester ihn daran, doch einfach im Zahnschrank nachzusehen und siehe da… dort findet er neben allen anderen Zahndingen wie etwa der Bluetooth-Freisprechanlage, einer Säge, einem Zahnrad und zwei sehr alten Mammutzähnen auch seine eigenen Zähne. Womit bewiesen wäre: wer Ordnung hält, der kann etwas erzählen.
Beim Blättern in diesem etwas sehr großformatigen aber saukomischen Bilderbuch – oder besser gesagt, beim Wühlen in Alfred Sauermanns Kartons – entdeckt man die erstaunlichsten Gegenstände und stolpert über wahrhaft absonderliche Zuordnungen und Bezeichnungen. Zumindest der an konventionelle Ordnungen gewöhnte Erwachsene tut das. Ruby und Ada, denen dieses Buch gewidmet ist, haben damit wahrscheinlich weniger Probleme. Wenn man unter der Kategorie Familienporträts eine Türklingel findet, wirft das zwar die Frage auf, ob sie da denn hingehört. Aber nach kurzem, ernsthaften Philososphieren wird die Antwort sicher ein eindeutiges »Ja« sein und selbstverständlich kann eine Taschenlampe auch als Spinnenfinder bezeichnet werden. Doch, doch! Das alles folgt einer unwiderlegbaren, verblüffenden Logik. Eben nur nicht der gängigen.

Deshalb gehört dieses Buch von Jon und Tucker Nichols unbedingt in unser Regal! Aber wir vergeben nur zwei Trüffeln. Einmal, weil uns die Beschriftungen der abgebildeten Gegenstände in diesem gestalterisch sonst so anspruchsvollen Buch typografisch ziemlich nachlässig erscheinen und dann, weil an manchen Stellen bei der Übersetzung aus dem Amerikanischen unter dem Zwang zum Reim riesige Widersprüche zwischen Bild und Text entstehen: »Peas with cheese« ins Deutsche übersetzt reimt sich eben beim allerbesten Willen nicht. Und weil im vorliegenden Fall das Bild den Text diktiert, hilft »Mayonnaise mit Käse« nicht aus dem Dilemma. Hätten wir das Buch lektoriert, hätten wir zugunsten stimmiger Aussagen die Übersetzerin Kati Hertzsch von dieser unlösbaren Aufgabe befreit. Trotzdem! Dies ist eine eindeutige Kaufempfehlung für Herrn Sauermann. Erwähnenswert ist dabei auch der Schutzumschlag, der sich als beidseitig nutzbares Poster entpuppt und als tägliche Aufforderung zum Ordnungmachen sicherlich gute Dienste leistet!!!

Wazn Teez

Nur 86 Wörter haben wir gezählt in dem Text zu diesem wunderbaren, wundersamen Buch.

Aber man täusche sich nicht. Das bedeutet keineswegs, dass man damit schnell durch ist. Ganz im Gegenteil: so simpel die Geschichte ist, die da erzählt wird, so rätselhaft bleibt dieses Bilderbuch beim schnellen Durchblättern. Die erwähnten 86 Wörter wollen nämlich alle erst entschlüsselt werden und keines davon findet sich in welchem Wörterbuch auch immer. Eine echte Aufgabe an die Vorleser und Vorleserinnen. Oder weiß vielleicht jemand auf Anhieb was mit »Schroxxler« gemeint sein kann? Oder mit »Forzung« oder »an Plumpse“? Wir verraten es nicht – mit gutem Bedacht. Denn je mehr Zeit Leser oder Vorleser und sein Publikum mit diesem »Sprachabenteuer« verbringen, umso größer ist das Vergnügen. (Sprachabenteuer – so nennt es ein leider sehr hässlicher Aufkleber auf dem Einband.) Und die Kinder? Die haben das Vergnügen sowieso. Schließlich ist das ein Bilderbuch. Und was für eins! So reduziert in Form und Farbgebung die Bilder von Carson Ellis, die gleichzeitig auch die Autorin ist, daherkommen – mehr Bild, mehr Erzählung im Bild geht nicht. Und wie gesagt, es geht um eine ebenso einfache, wie erstaunliche Geschichte:

Es ist Frühjahr, die Insekten erwachen, aus der Erde sprießt ein grünes Etwas.
Es wird Sommer, das Etwas wächst und blüht.
Es wird Herbst, das Etwas verblüht.
Es wird Winter, das Etwas ist verschwunden.
Und dann wird es wieder Frühjahr und … »Wazn teez?«, staunt der frühe Käfer.

Jetzt haben wir doch was verraten – aus lauter Begeisterung und vergeben hiermit drei Trüffeln! Am liebsten gäben wir noch eine vierte an die Übersetzer Jess Jochimsen und Anja Schöne. Die beiden haben angesichts der Aufgabe, aus einer nicht existenten amerikanischen Sprache in eine nicht existente deutsche Sprache zu übersetzen, einen eigenen Dialekt erfunden, der es wert ist, dass ihm bald auch eine Region zugeordnet wird.
Zum Schluss noch ein Appell an die Vorleser: Fragen Sie nicht nach Erklärungen. Lassen Sie die Insekten sprechen. Glauben Sie uns, Sie werden sie verstehen! An Freudenschuh!

Prinz Bummelletzter

So viel vorweg: Das ist ein Buch nach unserem Geschmack.

Es ist voller Humor, kümmert sich nicht um irgendeine Botschaft und trägt doch eine ganz elementare in sich: Es lebe die Langsamkeit! Der Text erzählt das so frisch und frei, als kämen der Autorin die Worte gerade jetzt in den Sinn – jetzt, wo wir sie lesen. Und weil hier Text und Illustration aus derselben Hand stammen, gilt auch folgendes: Sybille Hein zeichnet, aquarelliert, kollagiert so frisch und frei, als flössen ihr die Situationen und Gestalten gerade jetzt aus der Hand – jetzt, wo wir sie betrachten. Das ist allergrößtes Vergnügen.
Aber warum das Buch in erster Linie bei uns im Regal steht, ist das, wovon es handelt: vom unschätzbaren Wert von Langsamkeit und genüsslicher Bummelei. Wie schön! Gibt es ein besseres Sujet für ein Kinderbuch? So erobert der Prinz auf diese Weise sogar die Prinzessin. Und das Schönste: Sybille Hein behandelt es im Text ebenso wie im Bild ganz ohne philosophische oder gar pädagogische Ambition aus lauter Lust am Fabulieren, Formulieren und Übertreiben. Nicht umsonst haben wir auf Denkpulver eine Abteilung mit Büchern von der Zeit und wir freuen uns, dass wir diese Abteilung jetzt erweitern können.

Aufgrund dieser Lobeshymne müssten jetzt eigentlich drei Trüffeln folgen … müßten! Aber bei diesem Buch tut es uns fast selber leid, dass wir so pingelig sind. Es ist künstlerisch großartig, technisch/handwerklich leider nicht. Da sind immer wieder Füße oder Krönchen der wunderbar kuriosen Figuren, die sich gerne ganz am Seitenrand des Buches aufhalten, dem Beschnitt zum Opfer gefallen. Ganz sicher wird das den lesenden Kindern das Vergnügen nicht schmälern, aber: »Das fällt doch keinem auf!» gilt nicht als Argument. Wir hatten zwei Exemplare vorliegen und leider fand sich dieser Fehler bei beiden. Besonders ein so schön konzipiertes Buch hat mehr Sorgfalt in der Herstellung verdient.
Deshalb gibt’s nur zwei Trüffeln. Aber die mit Überzeugung.

Wörterwuselwelten

Wörterwuselwelten von Ann Cathrin Raab,

das ist nicht nur ein Kinderbuch. Es ist eine Spielanleitung und ein Leitfaden für Erwachsene, die bereit sind, einmal mit Kinderblick spazieren zu gehen. Aber auch und gerade deshalb eine echte Herausforderung für jeden Vorleser. In diesem Wörterbilderbuch gibt es zwar auch eine ›Handlung‹. Die gilt es aber erst einmal aus dem Wörterwust herauszufiltern, der sich wie ein einziger Assoziationsstrom durch das ganze Buch zieht. Hier gibt es keine ordentlichen Zeilen und keine direkte Text/Bild-Korrespondenz. Und so sieht man sich als Leser immer wieder gezwungen, stehen zu bleiben, so als ginge man mit einem Kleinkind spazieren – hierhin, dorthin. Fühlt sich aufgefordert, zu verharren, weil etwas anderes – dies und das – die Aufmerksamkeit ablenkt und plötzlich interessanter ist als irgendein vorgefasstes Ziel. In diesem Fall sind das Wörter wie Pausenclown, Falschparker, Bermudadreieck oder, was immer das bedeuten mag: Philosophengemütlichkeit. Was fangen Kinder mit solchen Wörtern an?  Keine Ahnung – es gibt sie. Sie sind überall und Kinder begegnen ihnen täglich, denn Kinder leben in dieser von Erwachsenen gestalteten Welt. Täglich sind Kinder konfrontiert mit einem solchen ungefilterten Zusammenklang von Ein- und Ausdrücken.  Danke, Frau Raab!
»Ein Ausflug« heißt das Buch im Untertitel und damit ist nicht nur die erwähnte Handlung beschrieben. Die geht so: Viele kleine Tiere, die fuhren einmal los. Sie fuhren hierhin, dorthin, sahen dies, und sahen das. Sie aßen was, und hatten Spaß, bestanden Abenteuer und machten ein Lagerfeuer. Dann sagten sie Gute Nacht. Das ist alles. Aber das ist natürlich nicht alles. Sich dieses Wimmelbuch der ganz eigenen Art zu erlesen, ist wie ein Ausflug mit einem und in einen Kinderkopf, wenn man sich darauf einläßt zu verharren, sich zu wundern und nicht sofort zu verstehen. Denn was ist ein Trettreckerrollerroll, eine Schuhunfallhupe, eine Fliegerpuppenwagenbutterfahrt oder geht es hier um Papierfliegerpuppenwagenbutter? ODERISTDASVIELLEICHTALLESEINEINZIGESWORT? Oder möglicherweise sind das gar keine Wörter sondern alles Bilder?
Apropos! Richtige Bilder gibt es natürlich auch. Scheinbar beiläufig hingekritzelte sonderbarste Wesen, Fahrzeuge und Maschinen bevölkern diese Welt und wahrscheinlich kann Ann Cathrin Raab auch soetwas wie  Philosophengemütlichkeit bildlich darstellen. Hat sie vielleicht mit diesem Buch bereits getan. Und was das Ziel dieses Ausflugs ist, lassen sich Erwachsene am Besten von einem kindlichen Reisebegleiter erklären.
Nominiert für die nächste Quartalstrüffel!

Ludwig I. König der Schafe

Ein Kinderbuch über Despotismus, Macht, Willkür, Ausgrenzung, Faschismus (?) – wie sieht so etwas aus?
Aus der Feder von Olivier Tallec kommt dabei ein fröhliches, lustiges, skurriles Bilderbuch heraus und das ist großartig!
Die handelnden Personen: Ludwig der Schafbock, seine Herde und ganz zum Schluss – nicht zu vergessen… dazu später mehr.
Ganz ohne sein Zutun, durch einen Windstoß, erhält Ludwig die Königswürde verliehen in Form einer zufällig dahergewehten blauen Papierkrone. Ohne sein Zutun und ohne dass das Schafsvolk davon großartig Notiz nimmt. Zunächst! Bis König Ludwig mit dem Regieren beginnt, Zepter und Reden schwingt, Jagdgesellschaften abhält, eine Armee aufbaut und schließlich unliebsame Untertanen vertreibt. Was eben so dazu gehört zum Königsein. »Was gut für mich ist, ist gut für mein Volk!« zitiert der Autor und Illustrator seinen Protagonisten auf der Buchrückseite.
Wir empfehlen dieses Kinderbuch, weil es ein Lehrstück ist über Tyrannei das ganz ohne Gesinnungstyrannei auskommt. Denn es spielt ja in der ulkigen Welt der Schafe, jener Spezies, die jeden Zeichner herausfordern und zugleich beflügeln muss. Sind sie denn nun lieb und niedlich oder einfach nur doof? Tallec kennt und entdeckt uns neben diesen beiden Eigenschaften des Schafs eine dritte, dunkle Seite am Beispiel des dornenhalsbandbewehrten Jagdschafs, vor dem sogar der eigens importierte Löwe flieht. Der König lebt in Saus und Braus.
Doch auch jede Herrschaft ist endlich. Die König Ludwigs I. hält an bis zum nächsten Herbststurm. Da wird ihm die Krone wieder vom Haupte geweht und alles wird wieder gut, also so, wie es vorher war. Wirklich gut? Nicht ganz! Ein anderer hat die Krone aufgesetzt bekommen und wer das Buch aufmerksam durchgeblättert hat, konnte das Unheil kommen sehen. Die Schafsbevölkerung hat es natürlich nicht.
»Der König ist der König und ist er‘s nicht, so ist‘s ein anderer!« lässt Heiner Müller eine seiner Theaterfiguren einmal sagen. In diesem Falle ist der andere – ojeh, der böse Wolf.
Dies ist mit drei Trüffeln unsere Kinderbuchempfehlung des Monats.

So weit oben

Das Einfache ist manchmal so schwer zu beschreiben.

Aber eine Rezension für dieses Buch darf eigentlich nicht mehr Worte enthalten, als das Buch selber (208), denn das macht nicht zuletzt seine Qualität aus: simpel, direkt, intelligent, voller Situationskomik erzählt es von einer einzigen Problematik – und die steht ja schon im Titel – ohne Erklärungen, ohne Umwege. Es lebe die Kunst des Weglassens. Und das gilt auch und vor allem für die Illustrationen: soviel Platz auf den Seiten bei soviel Ereignis! Einfach – schön! Bleiben noch 166 Wörter, brauchen wir aber nicht. Volle Punktzahl!

Der Tag, an dem Herr Fritz auf Seite 23 …

… sehr nahe zum Mond flog, dort eine bemerkenswerte Entdeckung machte und erst spät abends nach Hause kam

Das ist schon sehr raffiniert, wie diese Geschichte mit sich selbst korrespondiert. So schnell kann man garnicht auf Seite 23 vordringen, wie man es gerne möchte, nachdem man den Titel des Buches gelesen hat.
Es gibt unendlich viel zu erforschen auf jeder einzelnen Seite in diesem Bilder-Erzählbuch ohne Text. Und wenn man dann auf der bewußten Seite 23 angelangt ist, hat man längst vergessen, daß man in einem Buch blättert. Einmal gestartet, verlassen wir mit Herrn Fritz in seinem Wolkengefährt bis zum Schluß die Vogel-Flugzeug-Raumschiffperspektive kein einziges Mal. Wir haben uns in diesen Bildern ganz taumelig gelesen und wollen dann auch nicht so schnell wieder landen. Dass Herr Fritz nach diesem Flug erst spät nach Hause kommt, ist mehr als verständlich. Ein echter Genuss, mindestens zwei Trüffel.

Wenn Du einen Wal sehen willst

In diesem Buch kann man einem Kind beim Schauen zuschauen.

Das ist geradezu beglückend und – erhellend. Denn von diesem Kind können wir außerdem das Schauen neu lernen. Wir legen wie der Junge, der uns hier Geduld und Versenkung, Muße und Selbstvergessenheit lehrt, den Kopf ein wenig schief und lassen uns von der Illustratorin Erin E. Stead von Imagination zu Imagination in die Wirklichkeit der Vorstellung führen. Es gibt ihn tatsächlich, den Wal, man kann ihm sogar begegnen. Man muß nur lange genug aus dem Fenster schauen. Diese Bilder – nein, das ganze Buch – sind Ausblick und Einblick in Einem. Bis auf die letzte Seite. Da ist der Zauber plötzlich zu Ende. Da rummst der Wal (und der Betrachter) gegen ein rotes Vorsatzpapier. Das ist sehr schade und unnötig und gibt deshalb einen Pingelpunkt. Aber man kann ja einfach nochmal zurückblättern und die Reise von vorn beginnen. Wir haben das gemacht, mehrmals und dann zwei Trüffeln vergeben.

Kamfu mir helfen

Eine einfache Geschichte, humorvoll erzählt ohne aufgezwungenen Tiefsinn und ganz ohne Zeigefinger. Die Verse laufen wunderbar rund, rhythmisch sauber – das ist keine Selbstverständlichkeit – und die elefantifen Fprachfwierigkeiten animieren geradepfu pfum felberfpolpern. (Sollen wir helfen?) Dieses Buch ist eine Trüffel. Genau sowas suchen wir! Aber… so skurril und rasant die Illustrationen daherkommen und so sehr uns die Kombination von Gezeichnetem und Fotografiertem gefällt, da hätten wir uns doch mehr Sorgfalt in der Auswahl gewünscht. Die fotografierten Elemente wirken wie achtlos ausgewählt und platziert, sie fügen sich weder in die gezeichneten Bilder ein, noch bilden sie einen klar erkennbaren Kontrast dazu, woraus sich ja viel bildnerischer Erzählstoff ergeben könnte. Verantwortlich für den Punktabzug aber ist vor allem ein fast unverzeihlicher Fehler in der Illustration: die tollen, sehr komischen Turnschuhe, der Fachmann nennt sie Chucks, die die hilfsbereite Fliege bei ihrem Katapultflug verliert, befinden sich bei ihrer Landung auf der folgenden Buchseite erstaunlicherweise wieder an ihren Füßen. Bitte, liebe Buchgestalter und Lektoren achtet auf sowas.
Ja, wir sind pingelig! Aber trotzdem – schönes Buch.

Hast du meine Schwester gesehen?

Werden Trüffeln eigentlich durch lange Lagerung noch besser?

Manche zumindest erweisen sich als echte Kostbarkeit, einfach dadurch, daß sie auch beim zweiten Aufstöbern nicht an Frische verloren haben. Dieses Buch ist eine Wiederentdeckung aus unserem eigenen Archiv und es überrascht uns gerade aufs Neue mit seiner Art zu überraschen. Klappbilderbücher gibt es zu Hauf, aber hier geht das Entdeckerspiel noch einen Schritt weiter als üblich. Mit jeder aufgeklappten Halbseite ergibt sich eine weitere Wahrnehmungsebene – Versteck, Verkleidung, Camouflage! Und was für herrlich absonderliche Gestalten stecken da in noch seltsameren Kostümierungen. Und welche davon ist wohl die gesuchte Schwester? Und gegenüber all dieser Buntheit steht ein Text, der unbeirrbar einer strengen Logik folgt. Nüchtern und beinahe unbeeindruckt von all dem Aufwand arbeitet sich der Held entlang seiner Frage »Hast du meine Schwester gesehen?« bis zur erwünschten Auflösung durch dieses Rätsel. So können nur Kinder sich durch eine Wunderwelt bewegen. Aus diesem Kontrast zwischen Wort und Bildsprache entsteht ganz großes Drama und zwar durch uns, den Leser. Das Buch bietet lediglich die Bühne dafür. Nichts ist, was es scheint; alles ist, was es ist. Schade, dass der Verlag es aus dem Programm genommen hat. Aber man kann es noch bekommen.

Mitreden und
kommunizieren

Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190) Der Begriff der kindlichen Wahrnehmung definiert sich über Setzungen der Erwachsenen – das ist das Dilemma, mit dem sich alle, die Illustratoren wie die Verlage, der Buchhandel und die Käufer herumzuschlagen haben. So kommt es, daß letztlich jeder Begriff, der sich um die kindgemäße Wahrnehmung gruppiert, Schieflage hat. Wenn wir beispielsweise fragen, ob ein Kind ein Bild begreifen kann, dann legen wir üblicherweise einen Begriff von Bildverstehen zugrunde, der sich auf ein kognitives, rationales Erfassen von Bildinhalten bezieht oder auf einem formalästhetischen Erschließen der Bildstruktur beruht. Obwohl diese Kriterien nicht auszuschließen sind, können sie aber möglicherweise völlig irrelevant sein für die Bedeutung des Bildes beim Kind. In 90 % aller Bilder sind es vermutlich ganz andere, unbewußte, subjektive, situative Momente, die Interesse und Faszination für den Betrachter ausmachen. Auch wir Erwachsenen können unsere Momente der Anrührung, des Betroffenseins oder Gelangweiltseins vor Bildern nicht kategorisieren. Die Bildwahrnehmung ist nicht planbar, weder bei uns noch bei Kindern. Das heißt nicht, daß sie nicht wahrnehmbar und beschreibbar ist, aber sie ist nicht zu formalisieren, es sei denn, es geht um physiologisch-psychologische Vorgänge wie z.B. die Blickrichtungsmessung. Die Forderung nach dem kindgemäßen Bild ist, polemisch ausgedrückt, eine unaufrichtige, Kunst und Kind gleichermaßen mißachtende Forderung. Sie gibt weder dem Bild noch dem Kind eine Chance zur Annäherung. (Aus: Jens Thiele: Das Bilderbuch, Universitätsverlag Aschenbeck und Isensee, S.190)